Komossas Scampolos in der Kleinstrennwagenserie, der „Formel 3“ bzw. der „Formel 500“ ab ca. 1948
In Deutschland wurden die Motoren vielfach von DKW, NSU, Zündapp oder BMW mit 500, 600 oder gar 750 ccm aus Vorkriegs- oder militärischen Restbeständen verwendet.
An der Spitze der (west-)deutschen Produktionen stand der „Scampolo“ von Walter Komossa mit seinem „kraftzeugtechnischem“ Versuchsbau in Recklinghausen, unterstützt von Willi Arnolds. Die DKW-Werkstatt Erich Tiemann in Wanne-Eickel sowie der Karosseriebauer Drews in Wuppertal waren ebenfalls an einigen Scampolos beteiligt. Das erste Fahrzeug entstand noch in den 1930er Jahren. So war Komossa nicht nur der erste, sondern auch einer der eifrigsten und erfolgreichsten Fahrer und Konstrukteure. Angetrieben wurden seine Rennwagen überwiegend von DKW-Motoren (z. B. 2-Zylinder, Zweitakt, 500 ccm, Wasserkühlung, mit Rootsgebläse, Doppelkolben), z. T. auch BMW- in Mittellage (1950) und später Norton-Motoren (1951) verwendet. Komossa wurde 1951 (west)-deutscher Meister auf Scampolo 502/1 (9. Fahrzeug) mit BMW-Motor. Dieses Fahrzeug verkaufte Komossa 1952 an Kurt Ahrens, der es 1953 an Willy Lehmann weiterreichte. Nach Umbauten lief es noch nach 1960 mit DKW-Motor in der Formel Junior. Der Name „Scampolo“ rührt zum einen von seiner Übersetzung aus dem italienischen her: „Stoffrest, fliegender Fetzen“. Schließlich handelte es sich um aus Resten und Einzelteilen zusammengebaute Fahrzeuge. Zum zweiten gab es in den 1930-er Jahren einen Kinofilm gleichen Namens mit dem Untertitel „Kind der Straße“. Im Jahr 1952 baute Komossa, offensichtlich auf Wunsch von Dr. Heinz Rosterg (Kassel, Fa. Wintershall), einen zweisitzigen, offenen „Scampolo Typ 750“ mit 750er BMW-Motor (vorne eingebaut) für die kleine Sportwagenklasse, den er mit Willy Arnolds zunächst zum Klassensieg beim 1000 km-Rennen auf Nürburgring 1953 über 40 Runden in 10.32 h steuerte. Insgesamt entstanden möglicherweise bis zu 17 Scampolos , zwischen 1947 und 1950 wurden zehn Stück für die Formel 3 gebaut. Zu besichtigen ist je ein Scampolo-DKW im Classic Race Museum in Jammelshofen am Nürburgring sowie bei Fa. Tiemann in Herne-Crange.
Willi Lehmann fuhr 1953 bis 1955 auch auf Scampolo-BMW. Diesen Wagen hatte er von seinem Frau Kurt Ahrens geschenkt bekommen. Lehmann wurde von 1952 bis 1956 (ost)-deutscher Meister, obwohl er 1954 und 1956 kein Rennen gewann. Damit ist er erfolgreichster deutscher Fahrer der kleinen Klasse.
Dauerläufer „Scampolo“
Laut den ausgewerteten Quellen hat es offensichtlich bis zu zehn „Scampolos“ für die Kleinstrennwagenserie bzw. Formel 3 gegeben. In einzelnen Rennen gingen bis zu sieben von ihnen gleichzeitig an den Start. Das war z.B. auf dem Grenzlandring 1950 und 1951 der Fall. Die ausgewerteten Programme und Ergebnislisten nennen insgesamt 28 Fahrer auf „Scampolos“ über alle Jahre und Rennveranstaltungen hinweg.
Walter Komossa selbst fuhr seine Wagen über vier Jahre von Frühjahr 1948 bis Sommer 1952 insgesamt ca. 50 mal. Dann erfolgte der Verkauf an Kurt Ahrens sen., der den Wagen ca. ein Jahr besaß und viermal fuhr, bevor er ihn weiterverkaufte. Im Sommer 1953 wurde der Wagen von Willi Lehmann erstmals bei Rennen eingesetzt und über 40 mal bis Herbst 1959 gefahren, bevor er für die Formel junior umgebaut und weiter gefahren wurde. Mit diesem Lebenslauf ist der „Scampolo“ vermutlich einer der langlebigsten Rennwagen überhaupt.
Helmut Deutz fuhr seine „Scampolos“ zwar nicht ganz so lange, nämlich von Frühjahr 1949 bis Frühjahr 1955, aber mit insgesamt ca. 55 Einsätzen am häufigsten.
Annähernd reicht der „LTE-Juwel“ von Ferdi Lehder an diese langen Karrieren heran. Lehder selbst fuhr den Wagen ca. eineinhalb Jahre von Frühjahr 1948 bis Herbst 1949. Dann ging der Wagen an Bobby Kohlrausch und wurde in „GvB“ umgetauft. In der Zeit von Sommer 1950 bis zum Spätsommer 1953 setzte Kohlrausch ihn ca. 16 mal bei Rennen ein. Nach seinem Tod fuhr Helmut Zimmer den Wagen weitere ca. 24 Rennen bis zum Frühjahr 1959. Somit wurde auch diese Auto über elf Jahre rennmäßig eingesetzt.
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